Ich bekomme immer häufiger mit, wie schon kleine Kinder von großen Nachwuchsleistungszentren Angebote bekommen. Allein das ist schon absurd, aber dazu kommt noch ein Artikel. Ich will heute auf was anderes hinaus.

Diese Kinder wohnen zum Beispiel in einem Dorf und ein Großstadtklub will das Kind haben. Das Kind wollen sie nicht weil es absolut gut ist, sondern weil es aus dem Durchschnitt heraussticht. Verbunden mit dem Wechsel zu einem NLZ ist oft auch ein höherer Trainingsaufwand. Wenn das Kind jetzt eine Stunde zum Training fährt und das drei mal die Woche plus ein Spiel am Wochenende ist das ein enormer Zeitaufwand. Ohne das Spiel ist das Kind jede Woche mindestens sechs bis acht Stunden im Auto.

Das Kind mag noch so gut sein und das Training kann noch so hochwertig sein. Sechs Stunden sind vier zusätzliche Trainingseinheiten, die andere die nicht im NLZ sind und nicht so lange zum Training fahren, mehr haben können. Klar das man das im jungen Alter noch durch die höhere Trainingsqualität ausgleichen kann. Aber was ist, wenn das Kind ein Teenager wird und fünf bis sechs mal die Woche Training hat? Da sind 12 Stunden pro Woche weg. Auf Kosten von Schule und zusätzlichen Trainingseinheiten. 12 Stunden Fahrtzeit für sieben bis acht Stunden Training. Der Fußballer sitzt dann tatsächlich mehr als das er Fußball spielt. Er verliert mit jedem Training eine zusätzliche Einheit, die er machen könnte und die Schule macht sich ja auch nicht von alleine.

Machen wir mal einen Tagesablauf. Sagen wir um sieben Uhr muss der Junge oder das Mädchen aufstehen und um acht beginnt die Schule. Die Schule geht bis um 15 Uhr. Er kommt also um ca. halb vier nach Hause. Jetzt muss er sofort los, um zum Training zu kommen, welches um 18 Uhr startet. Das Training geht bis 19:30 Uhr, dann wird geduscht und der Trainer sagt noch was. Bis man dann los kommt ist es mit viel Optimismus 20 Uhr. Er oder sie kommt also um 21 Uhr nach Hause, muss noch Hausaufgaben machen und was essen. Das Kind kommt also gegen 22:00 ins Bett, ohne eine freie Minute gehabt zu haben.

Wenn man das durchrechnet, erkennt man, je länger die Fahrt zum Training, desto kürzer der Schlaf, was in jedem Fall schlecht für das Kind ist. Schläft das Kind wenig, schläft es in der Schule. Die Schule kommt also in jedem Fall zu kurz, was auch schlecht für das Kind ist. Zu wenig Schlaf sorgt für schlechte Leistung, da das Urteilsvermögen und die Entscheidungschnelligkeit eingeschränkt ist. Schlechte Schulnoten sorgen für eine schlechte Stimmung zu Hause und eine Perspektivlosigkeit zum Fußball. Müdigkeit und schlechte Leistungen in der Schule, führen in jedem Fall zu schlechteren Leistungen im Fußball. Damit kann das Kind im Fußball nicht mehr erfolgreich sein.

Man kann jetzt sagen, dass man das als angehender Fußballprofi eben durchstehen muss. Das ist aber völliger Schwachsinn. Das einzige was man so erreicht ist, dass davon die Eltern und die Familie kaputt geht. Die Eltern brauchen ja auch Zeit für sich und verdienen sich genauso wie die Kinder ab und zu mal eine ruhige Minute. Und schließlich muss das Geld für die Familie ja auch irgendwo herkommen.

Vor allem aber geht das Kind daran kaputt. Es hat keine freie Zeit für Pubertät und Dinge die man neben dem Fußball in jungen Jahren noch so macht. Das Kind sieht wie um sich herum alles kaputt geht und um Fußballprofi zu werden braucht man einen starken Charakter, für den das Talent nicht die Zeit hat diesen auszubilden. Ich habe auf meinem Weg sehr viele junge Menschen getroffen, die von den NLZ bis zum Fußball-Burn out getrieben wurden.

Viel besser wäre doch, wenn das Kind im Heimatverein besonders gefördert wird, in dem es zum Beispiel bei den Älteren mitspielt. So bleibt dem Kind nicht nur das alte Umfeld erhalten und die Fahrzeit erspart. Nein es kann sich auch bei einem positiven Klima besser entwickeln und auf den Fußball konzentrieren. Nebenbei kann das Kind einen vernünftigen Charakter entwickeln und wenn alles passt mit 15, 16,17 in ein Internat eines Großstadtclubs wechseln. Es hat nun den Charakter und vielleicht auch das Können und Glück dass man braucht, um Profi zu werden.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal eine heftige und leidenschaftliche Kritik in die Richtung des DFB richten. Ich bin der Meinung, dass der DFB zu wenig tut, um die Nachwuchstalente vor den Befindlichkeiten und Interessenslagen in den Nachwuchsleistungszentren (NLZ) zu schützen. Vielen jungen Menschen wird damit der Weg zum Fußballprofi verbaut. Sie werden in den NLZ ohne Perspektive verbrannt. Die Fahrzeiten beschränken sich ja nicht nur auf 1 bis 2 Stunden. Von mir wurde gefordert, ich solle 5 Stunden am Tag, 4 Tage die Woche plus Spiele fahren. Da stellt sich doch die Frage, was da heraus kommen soll? Guter Fußball mit Leidenschaft sicher nicht. Ich bin der Meinung, dass der DFB Anreisewege von über 50km pauschal verbieten sollte. Wobei in Ballungszentren, wie Berlin oder Hamburg, auch das zu viel ist. Vielleicht wird das ja von dem einen oder anderen Entscheider gehört und umgesetzt.

Das Verbot, dass 16-jährige-Nicht-Lizenzspieler nicht bei den Aktiven spielen dürfen, verschärft die Problemstellung noch einmal. Auch darüber kann man einmal gründlich nachdenken. Mit 25jährigen auf einem Platz zu stehen, ist für einen 15-jährigen auch keine schlechte Erfahrung.




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