Die Grundlagen der Torwarttechnik sind auch die Grundlagen des Torwartspiels. Sie sind wesentlicher Bestandteil jedes Torspielers und spielen eine große Rolle in der Ausbildung. Auch wenn der Trend immer mehr zum aktiven Torspieler geht, wird die Torverteidigung immer ein Kernbereich der Position im Tor bleiben.

Fürs die sinnvolle Vermittlung der Techniken braucht es immer zuerst eine genaue Vorstellung der Grundtechniken. Ohne diese kann man nicht lehren. Das ist wie wenn ein Lehrer keine Ahnung von seinem Stoff hat den er vermitteln soll.

Meine Philosophie im Bereich der Torwarttechniken ist einfach: Effektive Ballabwehr mit möglichst wenig Aufwand. Das Ganze ist im Idealfall mit einem sicher gehaltener Ball. Dazu braucht man natürlich eine große Anzahl an Entscheidungsvarianten, da auch die Bälle unterschiedlich auf das Tor kommen können. Auf jeden einzelnen Ball braucht man die optimale Antwort. Und da es nahezu unendlich viele Bälle geben könnte braucht man viele Antwortmöglichkeiten.

Nach meiner Meinung ist es also wichtig den jungen Torspielern möglichst viele Möglichkeiten mit auf den Weg zu geben, einen Ball zu halten. Neben mehr gehaltenen Bällen, hat das natürlich auch koordinative Vorteile.

Um die vielen Endscheidungsmöglichkeiten zu sortieren teile ich das Tor in mehrere Abschnitte ein. Zu jedem Abschnitt des Tores teile ich mehrere Techniken zu.

Mit der oberen oder unteren Hand trainieren Auftaktschritt Fangen
Übergreifen
Fangen
Übergreifen
Halbhoch reinschieben
Übergreifen
Fangen
Untere Hand
Abkippen
Umkippen
Tief Fangen
Baggern
Flach reinschieben
Fangen
Untere Hand
Abkippen
Auftaktschritt Aufschaufeln
Seitliche Block
Aufschaufeln
Block

Jede einzelne Technik ausführlich zu erklären und eine pädagogische Hinführung zu gestalten würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Ich habe zu vielen Techniken auch schon Videos produziert, in denen man sich dies ansehen kann. Dies sind

Um deine vielleicht aufgetretenen Fragen zu klären, will ich hier noch mal auf die wichtigsten Bewegungsteile zurück kommen und diese biomechanisch erklären.

Das Aufschaufeln besteht im wesentlichen aus einem Spreizen der Beine und einem Oberkörper, der inklusive der Arme zum Ball geht. Der Ball soll hier in die Arme rollen. Das erreicht man, in dem die Arme parallel eng etwas unter den Ball geführt werden. Die Beine spreizt man, um sich nicht selbst in der Mobilität ein zu schränken. Der Torwart bleibt trotz eines tiefen Körper Schwerpunkts in der Hüfte beweglich und kann seine Position immer anpassen.

Den Block kann man im wesentlichen machen, wie man damit erfolgreich ist. Wichtig ist nur, dass man auf den Ball reagiert und nicht spekuliert. Ein weiterer Faktor der sehr wichtig ist, ist die Spielbereitschaft nach dem Block. Spielbereitschaft heißt, dass der Keeper nach einem Block nicht behandelt werden muss oder am Boden liegt, sondern sofort wieder auf den Beinen steht. Das sollte man bei jedem Block beachten, da sehr viele geblockte Bälle im Spiel bleiben und sich daraus Folgechancen für den Gegner ergeben können.

Das Fangen besteht aus einem stabilen Stand mit einem zum Ball gerichteten Körper, während die Arme ebenfalls zum Ball gehen. Die Hände bilden dabei eine stabile Form in der ein Ball reinpasst. Die bewährteste Form ist dabei ein Dreieck zwischen Daumen und Zeigefinger mit gespreizten Händen.

Das Abkippen ist eine Technik, die man auf kurze Distanz benutzen sollte. Die Bälle müssen dafür in Körperradius kommen. Das Abkippen ist eine Technik um möglichst schnell flach auf den Boden zu kommen. Das erreicht man in dem man schnell den Schwerpunkt senkt. Es gibt mehrere Möglichkeiten um so etwas umzusetzen. Die wohl bekannteste Methode ist das ballnahe Bein zu entlasten und vor dem Standbein entlang nach oben zuziehen. Man katapultiert so seinen Unterkörper in Richtung Boden. Diese Technik ist meiner Meinung nach nur für Extremsituationen geeignet.

Ich würde ich einen breiten Stand raten und den Fuß rein setzen. Das heißt man zieht nicht das Bein nach oben sondern führt das Bein neben das andere. Nun steht man schräg in der Luft. Jetzt sogen die Rotatoren im Rumpfbereich für eine Beschleunigung der Fallbewegung. Wenn der Oberkörper eine geeignete Höhe hat könnte das ballnahe Bein sogar nach zum Sprung ansetzen. Diese Technik hat für mich mehr Vorteile, da man gleich schnell unten ist, trotzdem aber in einen Ballangriff kommen kann und in eine gute Position kommt um den Ball sogar zu Fangen. Das kann man den anderen Techniken so ein bisschen vorwerfen.

Das seitliche Erhechten und das Umkippen funktioniert vom Prinzip her gleich. Man macht einen oder mehrere Schritte setzt einen kleinen Schritt und drückt sich über das Knie ab. Der Unterschied zum Umfallen ist, dass man sich eben nicht abdrückt.

Es gibt aber einen Unterschied zwischen hohen, halbhohen und flachen Bällen. Das probiere ich mal einem Beispiel außerhalb des Fußballs zu erklären. Wenn man einen Kugelschreiber nimmt, diesem gerade vor sich hinstellt und sich ein Tor außen herum vorstellt, erkennt man recht schnell, dass unten und oben im Eck den weitesten Weg vom Torwart fordern, da diese am weitesten weg vom Körperschwerpunkt des Kugelschreibers entfernt sind. Wenn man das auf den Keeper überträgt kann man sagen, dass die Bälle unten und oben ins Eck am schwersten zu halten sind und somit meine These bestätigen.

Wenn man den Kugelschreiber durch eine Feder ersetzt, die mit ihrer untersten Windung den imaginären Boden berührt kann man sich sehr leicht die Abdruckwirkung des Beines verdeutlichen. Man erkennt, dass hohe Bälle am einfachsten im Abdruck zu holen sind, da die Feder nur leicht verrückt werden muss um sich nach oben ins Eck abzudrücken. Halbhohe Bälle sind in dem Fall etwas schwerer zu erreichen und Fläche Bälle sind am ekligsten. Hier muss die Feder den größten Weg zurück legen. Wenn man das jetzt wieder auf den Fußball überträgt muss man wieder sagen, dass die halbhohen Bälle vergleichsweise leicht zu halten sind. Auch mit einem Abdruck. Die Bälle oben im Eck gehen oft rein, weil der Weg nicht schnell genug überbrückt werden kann. Außerdem ist hier auch genug Platz für etliche Spezialeffekte, die der Ball mitbekommen kann. Bälle flach ins Eck sind am schwersten, weil der Abdruckwinkel am ungünstigsten ist. Zuerst muss der Schwerpunkt gesenkt werden, dann muss der Oberkörper vor die Beine und zuletzt wird abgedrückt. Da vergeht schon mal viel Zeit. Zu meinem Entsetzen erkennt man auch im Profibereich, dass gestandene Profitorhüter oft sehr lange brauchen, um ins Eck zu kommen.

Das war ein kleiner Einblick in die Biomechanik der Torwarttechnik. Ich hoffe du kannst damit was anfangen.

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