Es geht ja nicht um die Torwarthandschuhe oder gar um den, der Torwarthandschuhe macht. Es geht um den Torwart, sein Können und den Ball.

Heiko Rapp

Contact Torwarthandschuhe

Für mich ist der Amateur der Profi.

Heiko Rapp

Die Fans feiern keine Torwarthandschuhe.

Heiko Rapp

Experte für Torwarthandschuhe

Torwarthandschuhe sind im Fußball das Gleiche wie die Bildregie bei einer Fußball-Übertragung. Beide sind wichtig, aber gut war der Job nur, wenn die Helden auf dem Platz zur Geltung kommen.

Heiko Rapp

Handschuhmacher

Damit bin ich zufrieden, so lange ich mit meinen Torwarthandschuhen nicht arm werde.

Heiko Rapp

Ich habe mit dem Experten für Torwarthandschuhe und dem Gründer von contact Torwarthandschuhe Heiko Rapp ein Interview zu verschiedenen Themen vereinbart. Jetzt wurde das Gespräch mit Heiko nur rund um das Thema Sicherheit und Haltbarkeit so lang, dass es demnächst ein weiteres Gespräch gibt. Ihr lest hier also den ersten Teil des Interviews.

Theo: Hallo Heiko, lass uns gleich in das Thema einsteigen. Wir haben viel vor. Wie verändert Fingersafe die Herstellung von Torspieler-Handschuhen?

Heiko: Durch Finger-Schutzsysteme ändern sich die Produktionsabläufe tatsächlich. Als erstes benötigt man dann die Finger-Protektoren. Dann muss im Handschuh auf dem Handrücken einen Extramaterial eingebaut werden. Dieses Material soll eigentlich den Handrücken schützen vor den Fingerprotektoren. Das ist also ein Schutz für den Handrücken und für die Knochen des Torhüters, welches Verletzungen vorbeugen soll.

Viele Fingerschutzsysteme am Markt haben auch herausnehmbare Protektoren. Dafür muss am Handrücken einen Verschlusssystem – in der Regel ist das Flausch- und Hakenband – auf dem Handrücken eingearbeitet werden.

Dann sollten auf der Oberhand noch mal einen Schutzmaterial eingearbeitet werden, damit der Torwart den Gegenspieler beim Fausten nicht verletzt. Das wird generell unterschätzt. Das Fingerschutzsystem funktioniert ja praktisch wie ein Schlagring.

Das bedeutet in der Summe, die Herstellung verändert sich massiv. Der Aufwand ist erheblich und das Ergebnis ist relativ heikel. Die Haltbarkeit wird dadurch beeinträchtigt. Die Protektoren zerstören das Schutzmaterial und die Nähte.

Meine Position dazu ist: Verzicht auf Finger-Schutzsysteme in Torwarthandschuhen im Interesse der Sicherheit für Torwart und Gegenspieler. Fingerschutzsysteme sind für die meisten Torwart-Verletzungen unwirksam. Sie bringen aber zusätzliche Risiken für den Torwart und das Spielverhalten der Handschuhe wird zum Beispiel beim Fausten unberechenbar.

Theo: Was zeichnet einen Handschuh aus, der das Verletzungsrisiko reduziert?

Heiko: Als Handwerker muss ich da sagen, ich muss darauf achten, dass sorgfältig und akkurat gearbeitet wird. Es müssen geeignete Materialien verwendet werden. Das Verschlusssystem des Handschuhs muss fest und sicher sitzen. Es dürfen keine Materialien, Ösen oder Teile innen und außen ausstehen, die an der Hand scheuern oder sich irgendwo verhaken können. Es dürfen keine harten Materialien verwendet werden, die sich zum Beispiel in die Hand bohren können. Der Handschuh wird auch dadurch sicher, dass er exakt die Größe hat, die zur Torwarthand passt. Und ich bin der Meinung, auf jeden Fall ist ein sicherer Torwart-Handschuh ein Handschuh ohne die momentan üblichen Fingerschutz-Systeme.

Theo: Wie muss der Torwarthandschuh den aus Sicht eines Handschuhmachers sitzen.

Heiko: Aus Sicht des Herrn Schuhmachers darf der Handschuh natürlich nicht zu groß und nicht zu klein sein. Das ist ja auch logisch. Was ist jetzt zu groß oder zu klein. Speziell beim Torwarthandschuh – das gilt nicht für andere Handschuhe – muss an den Fingerspitzen ein bisschen Spiel sein. Als Faustregel gilt da etwa eine halbe Fingernagellänge. Auch an der Seite braucht der Torwarthandschuhe ein bisschen Platz. Wenn ein Handschuh zu klein ist, kann man sich beim Abfangen nach dem Hechten zum Beispiel die Finger stauchen. Beim Torwart ist das in der Regel eine Verletzung, die dazu führt dass er das nächste Spiel nicht spielt.

Der Torwarthandschuh muss aber trotzdem sicher und kompakt sitzen. Man verliert mit zu großen Handschuhe Ballsicherheit. Mit den Falten, die sich dann bilden können, verdreht sich der Handschuh beim Abstützen. Auch das kann zu Finger- und Handverletzung führen.

Theo: Welche Teile des Handschuhs bestimmen maßgeblich den Sitz?

Heiko: Maßgeblich für den Sitz ist auf jeden Fall die Bandage. Wenn die Bandage am Handgelenk fest sitzt, und der Handschuh richtig verschlossen ist, verrutscht der Handschuh schon mal nicht so leicht. Er kann sich dann auch nicht so weit verdrehen. Wenn die Größe dann noch die richtige ist, dann ist der Sitz schon relativ gut.

Jetzt sind die Hand und die Finger ein nicht einfaches Gebilde. Deshalb genügt es nicht, nur die Oberhand und die Innenhand als Teile auszubilden. Es werden auch Seitenteile und Schichtel benötigt, die dem Handschuh eine ergonomische Form geben. Damit passt sich der Torwart-Handschuhe ergonomisch der Form der Hand an. Bei vielen billigen Handschuhen wird daran gespart.

Zu guter letzt spielt die Genauigkeit des Schnittes und der Haltbarkeit der Materialien eine wichtige Rolle. Dass etwas nicht passen kann, wenn es falsch geschnitten ist, leuchtet jedem sofort ein. Wenn sich die Materialien aber während der Nutzung verziehen, hat das die gleiche Wirkung. Der Handschuh passt dann nicht mehr und verliert seine Spieleigenschaften. Dieses Phänomen hat man auch bei vielen sehr teuren Handschuhen. Das liegt oft daran, dass in der Herstellung die Leute gar nicht wissen, in welcher Richtung man Material schneiden oder strecken kann und in welcher nicht.

Gerade bei den Feinheiten im Tragekomfort sprechen wir nicht mehr über Sicherheit im Sinne von Verletzungsrisiko, sondern über Sicherheit im Sinne von Ballsicherheit oder sicherem Auftreten des Torwarts. Für meine Handschuhe ist der Tragekomfort natürlich genauso wichtig, wie die technische Sicherheit und die Auslegung als Werkzeug für den Torwart. Der Handschuh muss, wenn er angezogen ist, wie wie eine zweite Haut sitzen. Der darf nicht stören. Es geht ja nicht um die Torwarthandschuhe oder gar um den, der Torwarthandschuhe macht. Es geht um den Torwart, sein Können und den Ball.

Theo: Es gibt Leute die meinen Grip is everything. Was zeichnet aus deiner Sicht einen guten Grip aus?

Heiko: Also natürlich ist Grip nicht alles am Torwarthandschuh. Grip ist eine Funktion, die eben funktionieren muss, wenn ich Bälle fangen will. Wenn der Handschuh nicht passt, unsicher ist oder dem Torwart ein schlechtes Gefühl gibt, spielt der Grip auch keine Rolle mehr. Die Fans bejubeln keine Torwarthandschuhe.

Grip ist englisch und steht für Haftung. Es geht um den guten Zugriff des Torwarts, wenn dieser den Ball fängt. Dabei muss die Gleitreibung des Handschuhes auf der Oberfläche des Balls sehr hoch sein. Die Keeper spielen gerne damit, dass ihre Handschuhe irgendwo kleben. Das ist lustig. Das macht Spaß. Das ist aber nicht der Grip, auf den es drauf ankommt. Wenn etwas klebt, geht es beim Torwarthandschuh um Haften. Der entscheidende Augenblick beim Fangen des Balls, ist der Übergang von Gleitreibung in Haftreibung. Dazu braucht es Aufprall-Dämpfung, Gleitreibung und ganz zum Schluss Haftung. Wenn wir also von Grip sprechen, meinen wir genau diese Kombination in der Wirkung.

Zu dieser Spielerei mit dem klebenden Handschuh vielleicht noch eine Anmerkung: Wenn die Haftung zu hoch wäre, dann würdet ihr keinen Abwurf machen können. Es hat einmal Versuche gegeben, da hat man auf die Innenhand des Torwart-Handschuhes ein Gel aufgebracht. Das Gel war so eine Art Masse, die am Handballen und an den Fingerkuppen wirken sollte, also dort wo der Ball am häufigsten Kontakt hat. Wenn man da drauf gelangt hat, hat das richtig geklebt. Das war aber dann kontraproduktiv. Weil wenn man mit dem Handschuh in den Rasen oder auf dem Boden kommt, dann liegt da was rum. Das klebt dann am Handschuh dran. Und dann wiederum schmiert es am Ball und der Ball rutscht dem Torwart weg. Grip ist kein Kleben! Am Ende muss der Ball am Handschuh haften, darf aber nicht kleben. Das ist ein feiner aber wichtiger Unterschied.

Diese Grip-Anforderungen für Torwarthandschuhe kann im Moment nur ein Latex-Hersteller weltweit wirklich erfüllen. Dieser stellt alle hochwertigen Latex-Schäume für Torwarthandschuhe her und alle qualitativ anspruchsvolleren Hersteller von Torwarthandschuhe, die auf sich halten, kaufen bei diesem Hersteller diese Beläge. Jetzt kann man diesen Belag natürlich noch werbewirksame Kunst-Namen geben. Davon wird der Belag aber nicht besser. Der einzige Unterschied sind Veredelung wie zum Beispiel das Waschen des Torwarthandschuhs.

Ich achte natürlich darauf, dass wir nur hochwertige Beläge verwenden. Der Belag ist das teuerste Teil an einem guten Torwarthandschuh. Diese haben dann natürlich einen sehr guten Grip.

Theo: Wie lange muss ein guter Torwarthandschuh halten?

Heiko: Der Torwarthandschuh ist ein Verschleißprodukt. Früher oder später ist er nicht mehr zu gebrauchen. Natürlich hängt die Nutzungsdauer von der Intensität der Nutzung ab. Was macht der Torwart tatsächlich mit seinem Handschuh? D.h., es spielt eine wichtige Rolle, wie oft trainieren ich? Wie viele Spiele habe ich in der Woche? Spiele ich oder sitze ich auf der Bank?

Dann spielt der Untergrund, auf dem ich spiele, natürlich eine große Rolle. Auf einem weichen Rasen, ist der Verschleiß eben niedriger, als auf einem alten Kunstrasenplatz. Ein großes Problem sind die Hartplätze und sehr alte Kunstrasenplätze. Da ist der Abrieb vom Material relativ hoch. 

Wenn ich den Handschuh nicht nutze, dann verschleißt er nur, weil er seinen Grip durch Altern verliert. Spiele ich in der Kreisliga, dann verbrauche ich vielleicht ein Paar im Jahr oder alle zwei Jahre ein Paar. Davon haben wir einige Kunden, die wirklich alle zwei Jahre ein paar Handschuhe bestellen. Im Profibereich oder in den hochklassigen, leistungsorientierten Verein, ist der Verschleiß natürlich höher. Da wird zwar eher auf gutem Rasen gespielt. Dafür werden aber viel härter und intensiver mit dem Ball gearbeitet. Dort ist ein Handschuhverschleiß immer höher. Ich glaube bei dir waren es immer 4-6 Paar in der Saison. Einige deiner Handschuhe hat ja immer auch dein Bruder bekommen.

Dann hängt der Handschuhverschleiß ja auch noch von der Spielweise ab. Wer viel am Fuß und viel offensiv spielt, der hat einen anderen Verschleiß, als jemand der auf der Torlinie in einer Mannschaft spielt, die hinten steht. Ich kann mich da an einen Kommentar von dir erinnern. Da hast du eine Mädchen gesagt, dass die Handschuhe nicht das Problem sind. Sie muss an ihrer Technik arbeiten. Leider hatte die damals aber noch keine Handschuhe von mir.

Wichtig für die Haltbarkeit ist die richtige Pflege. Ich lege bei jeder Sendung, die ich verschicke, eine Pflegeanleitung mit dazu. Wenn man sich daran hält, dann halten die Handschuhe richtig lange. (Anmerkung Theo: ratgeber.contact-Torwarthandschuhe.de/#Pflege)

Bei einem Ostercamp dieses Jahr, war eine Frau bei mir, die hat er einen Kinderhandschuh Viper Junior (kommerzieller Link zum Shop) dabei. Den hatte sie im Jahr davor beim Ostercamp gekauft. Den hat sie mir gezeigt. Der war stark beansprucht. Dann habe ich ihr gesagt, ja der sehr gleichmäßig abgerieben. Den kann man noch eine Weile verwenden. Aber irgendwann wird sie wieder einen Handschuh brauchen. Dann dann noch ein Vater daneben, der meinte flapsig, dann wohl nicht viel spielen. Daraufhin meinte sie, das stimmt so nicht. Der trainiert zweimal die Woche und spielt jedes Spiel. Die haben gar keinen anderen Torwart.

Das Gleiche ist mir auch mal beim Erwachsenenhandschuhe bei einem Trainings-Camp passiert. Da habe ich einen contact Stealth (kommerzieller Link zum Shop) liegen sehen, der schon lange benutzt aussah. Dann habe ich den jungen Mann gefragt, wie lange er den denn schon hat. Dann hat eine Weile rumüberlegt, und meinte, so genau weiß er das nicht. Das ist bestimmt ein Jahr her, dass er den gekauft hat. Dann frage ich: Wie oft hast du denn genutzt? Die Antwort war ständig, im Training und im Spiel. Er hat gar keine anderen.

Torwarthandschuhe können also sehr lange halten, wenn man sie richtig pflegt, wenn man auf dem passenden Untergrund spielt, wenn die eigene Spielweise den Verschleiß nicht extrem bedingt.

Theo: Wo geht ein guter Torwarthandschuh zuerst kaputt?

Heiko: Ein guter Handschuh geht an keiner Stelle zuerst kaputt. Ein guter Torwarthandschuh verschleißt relativ gleichmäßig. Am höchsten belastet es natürlich die Innenhand. Und das ist typisch individuell von Torhüter zu Torhüter wie die Hechten und Abrollen. Beim einen ist es immer der seitliche Handballen und die Fingerkuppen. Beim nächsten es sind mehr die Daumen. Das ist tatsächlich ganz individuell. Die Technik kann man aus dem Abrieb teilweise ablesen.

Theo: Wie unterscheidet sich einen Profihandschuhe von einem Amateurhandschuh.

Heiko: Ganz einfache Antwort: Für mich ist der Amateur der Profi. Egal ob das Champions League oder Bezirksliga ist: Der Torwart hat die gleichen Anforderungen in der Bezirksliga wie in der Champions League. Der Torwart ist dafür da, Tore zu verhindern. Er muss den Ball fangen. Er muss den Ball Fausten. Sofern gibt es keinen Unterschied für mich.

Es gibt aber schon einen Unterschied im Anspruch des Torwarts. Der eine möchte eher bequem durch das Spiel und der andere eher professionell. In der Kreisliga gibt es Torhüter, die können nicht Fausten oder Fangen. Die stehen im Tor, weil sie die Besten waren, die im Tor spielen konnten.Wenn ich zum Beispiel nicht fangen kann, kann ich auch einen preiswerteren Belag spielen. Wenn ich nicht Fausten kann, brauche ich keine gepolsterte Oberhand. Insofern sind die Handschuhe bei mir im Material vom Anspruch abgestuft. Der Amateur hat zum Beispiel nicht den besten Belag, sondern nur einen sehr guten Belag und ist dafür bequemer.

Theo: Du bist ja wirklich einer der Experten für Torwarthandschuhe mit unendlich viel Detailwissen und einer Wahnsinnigen Begeisterung für das Thema. Mich interessiert, was sind Torwarthandschuhe für dich?

Heiko: Torwarthandschuhe sind ein Werkzeug für den Torwart und sonst nichts. Die Fans feiern keine Torwarthandschuhe.

Theo: Du gehst darin so auf. Sind Torwarthandschuhe wirklich nicht mehr für dich?

Heiko: Torwarthandschuhe sind im Fußball das Gleiche wie die Bildregie bei einer Fußball-Übertragung. Beide sind wichtig, aber gut war der Job nur, wenn die Helden auf dem Platz zur Geltung kommen. Ich will die besten Torwarthandschuhe für meine Torhüter machen und freue mich über jeden, der meine Keeper-Handschuhe gerne spielt. Das ist für mich Motivation genug. Damit bin ich zufrieden, so lange ich mit meinen Torwarthandschuhen nicht arm werde.

Theo: Vielen Dank für das Interview an dieser Stelle. Die anderen Themen, die wir noch vorhaben, machen wir ein anderes mal.

Heiko: Vielen Dank auch an dich und deine Leser.

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