Der professionelle Umgang mit Drucksitutionen ist ein entscheidender Faktor, um Top-Leistungen abliefern zu können. Wie mit Druck umgegangen wird ist eine wichtige Stellschraube für das Erreichen des eigenen Potentials. Viele Top-Talente scheitern an diesem Druck. Das führt teilweise dazu, dass diese Talente psychisch zusammenbrechen und ihre Karriere schlagartig beendet haben.

Druck ist ein sehr viel benutztes Wort mit mehreren Verwendungen. Wie muss man Druck in einem Zusammenhang mit Leistungssport verstehen?

Druck ist die hohe Erwartungshaltung an ein Ergebnis oder ein Handeln. Sorgen macht sich der Athlet dann, wenn die Erwartungshaltung von sich selbst oder dem Publikum für ihn so hoch wird, dass er daran zweifelt, diese zu erfüllen.

Wie gehen Spitzensportler mit Druck um?

Doc Rivers 2013 cropped

Doc Rivers, ein erfolgreicher Basketball-Trainer sagte in einem Interview, dass Druck für ihn ein Privileg sei. Die Mannschaft arbeitet hart, um in einer solchen Situation zu stehen. Druck ist in dem Fall eine Wertschätzung der eigenen Arbeit und Leistung. 

Kobe Bryant 2015

Ein weiterer sehr erfolgreicher Basketball-Spieler relativierte in einem Interview die Erwartungshaltung. Kobe Bryant sagte, dass er die Abläufe im Spiel schon tausende Male gemacht hat. Er verlangt nichts von sich, dass er noch nie geschafft und gemacht hat. Bryant nimmt sein Selbstvertrauen im Spiel also aus der Vorbereitung auf das Spiel. 

Cristiano Ronaldo 2018

Cristiano Ronaldo scheint dagegen süchtig nach diesem Erfolgsdruck zu sein. „Wenn es nach mir geht, würde ich nur die wichtigen Partien spielen.“ Sagte er in einem Interview mit France Football. Das kommt daher, das Ronaldo den Wettbewerb liebt und gerne im Mittelpunkt steht. Für ihn ist der Druck also das Gleiche, wie Aufmerksamkeit. Diese genießt er und unterhält sein Publikum immer wieder mit Top-Leistungen. 

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Der erfolgreichste Footballspieler aller Zeiten Tom Brady ist dafür bekannt, sehr selbstkritisch und streng zu sich selbst zu sein. Das ist eine wichtige Grundlage um besser zu werden. Auf der anderen Seite ist er aber sehr selbstbewusst und hat Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er ist also davon überzeugt, dass er dem Druck und der damit einhergehenden Erwartungshaltung gerecht werden kann. 

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Kolo Touré hatte zu seiner aktiven Zeit das Ritual, als letzter aufs Feld zu gehen. In einem Champions League-Spiel von Arsenal gegen AS Rom wurde ein Spieler in der Halbzeit behandelt und kam deshalb verspätet auf den Platz. Touré wollte nicht als vorletzter auf den Platz und der Schiedsrichter pfiff das Spiel wieder an. Arsenal musste dann zu 9. spielen, bis der Spieler wieder den Platz betrat. Jetzt konnte auch Kolo Touré wieder auf den Platz. 

Leistungsdruck

Was kann ich von den Profis lernen?

1. Sichtweise auf Druck ändern

Doc Rivers sieht Druck als eine Art der Wertschätzung. Das nimmt die negative Seite vom Druck weg. Durch eine positive Sichtweise auf den Erfolgsdruck änderst du deinen Fokus auf genau das positive. Mit einer solchen Sichtweise ist die Situation, in der du unter Druck stehst ein Kompliment und du kannst ganz anders an die Sache ran gehen. 

 

2. Die Situation bewusst machen

Kobe Bryant wusste genau, dass er sich nicht besser auf die Situation hätte vorbereiten können. Im Spiel macht er dann Dinge, die er sein ganzes Leben schon macht. Durch das Bewusstsein der Fakten sieht die Sache schon viel weniger beängstigend aus. Du machst auf dem Platz Dinge die du vorher schon oft gemacht hast. Du musst nicht Zaubern oder Feuer spucken sondern nur Fußball spielen. Du hältst Bälle, die du schon oft gehalten hast. Du spielst Pässe, die du schon oft gespielt hast. Das ist nichts Neues. Wenn du dir das Bewusst machst, weißt du in der Situation, dass du es schon oft gemacht und geschafft hast. Der Druck reduziert sich. 

 

3. Wettbewerb suchen

Cristiano Ronaldo ist süchtig nach dem Wettbewerb mit anderen. Nur durch Wettbewerb entsteht Druck. Wenn du häufig in einem Wettbewerb steckst, wird der Druck weniger speziell. Es ist keine Situation, die einmal die Woche auftritt, sondern jeden Tag da ist. Suchst du also häufig den Wettbewerb gewöhnst du dich mit der Zeit und Wiederholung an die Situation und das Gefühl. Der Druck wird gewöhnlich und nimmt ab. 

 

4. Selbstkritik und Selbstvertrauen

Tom Brady ist bekannt dafür, sehr selbstkritisch zu sein. Durch eine solche extreme Strenge zu sich selbst, scheint der Druck minimal. Wichtig ist aber, dass du die sportliche Leistung von deinem Charakter separierst. Es geht nichts gegen dich persönlich, sondern deine sportliche Leistung steht im Mittelpunkt. Damit ein solches Verhalten nicht abdriftet ist ein gestärktes Selbstvertrauen notwendig. Du musst überzeugt sein, dass du die Situation meistern kannst. Für die bestmögliche Leistung brauchst du die richtige Mischung aus Selbstkritik und Selbstvertrauen. 

 

5. Rituale und Routinen 

Kolo Touré hat durch Rituale und Routinen sein Ablauf vor einem Spiel kontrolliert. Mit Aberglauben und durch die tatsächliche Wirkung von Ritualen und Routinen vor einem Spiel, konnte er Top-Leistungen bringen. Du kannst dich mit festen Abläufen vor Spielen ablenken und fokussieren. Mit der richtigen Routine kannst du auch deine Leistung verbessern. Wenn du vor dem Spiel ein paar Kräftigungs- und Beweglichkeits-Übungen machst, um deine Muskulatur aufzuwärmen und zu aktivieren kannst du besser spielen und bist weniger anfällig für Verletzungen. 

 

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Wie lerne ich den professionellen Umgang mit Druck?

1. Sichtweise auf den Druck ändern

Die eigene Sichtweise auf Druck ist meist eine bewusste oder unterbewusste Perspektive. Durch eine Technik, die auch als ‚Reframing‘ bekannt ist, wird die Perspektive von der aus ich Druck wahrnehme verschoben. Ich fokussiere mich also auf die positiven Dinge des Drucks, nehme diesen dann auch positiver wahr und baue eine solche Sichtweise Stück für Stück auch unterbewusst auf. 

 

2. Die Situation bewusst machen

Um diese Technik nutzen zu können, brauchst du eine sehr gute Vorbereitung auf das Spiel. Denn erst dann kannst du dir den Fakt bewusst machen, dass du dich bestmöglich auf das Spiel vorbereitet hast. Du weißt, dass auf dem Platz die beste Version von dir stehen wird. Alles was du im Spiel machen musst, hast du schon mal im Training geschafft. Wenn du eine solche Ausgangslage hast, kannst du dir die Technik zu Nutze machen. 

 

3. Wettbewerb suchen

Für diese Art und Weise mit Druck umzugehen, braucht es nicht viel. Ein bisschen Kreativität und Initiative reicht aus, um aus allem einen Wettbewerb zu machen. Das kann man immer weiter steigern mit Siegen (Belohnungen) und Niederlagen (Bestrafungen), so das der Druck immer weiter steigt. Automatisch wird man besser im Umgang mit Druck. 

 

4. Selbstkritik und Selbstvertrauen

Um Selbstkritisch zu sein braucht der Spieler genug Wissen, um die eigene Leistung beurteilen zu können. Dann braucht es Ehrlichkeit vor sich selbst. Du musst dir eingestehen können, dass du schlecht gespielt oder Fehler gemacht hast. Impulse für deine Selbstkritik kannst du dir auch von außen holen. 

Um Selbstvertrauen im Fußball aufzubauen gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich will dir zwei Möglichkeiten mitgeben:

  • Durch viele Erfolgserlebnisse in vielen Wettbewerben baust du automatisch Selbstvertrauen auf. Du lernst ganz von alleine, dass du gewinnen und erfolgreich sein kannst. 
  • Wenn du dich auf deine Stärken fokussierst, siehst du dich selbst häufiger in gutem Licht. Dein Selbstvertrauen wächst dadurch automatisch. 

 

5. Rituale und Routinen 

Eigene Rituale und Routinen zu finden, die einen am besten auf ein Spiel vorbereiten ist eine Sache die du ausprobieren musst. Wenn sich etwas gut anfühlt und du anschließend gut spielst, kann es nicht all zu schlecht sein. Wenn du dann deine Routine gefunden hast, kannst du diese aufschreiben, um immer daran zu denken und keinen Punkt der Liste zu vergessen. 

 

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Was kann ein Trainer für sein Coaching mitnehmen?

 

Um deiner Mannschaft den Umgang mit Druck zu erleichtern, kannst du dich auch den oben genannten Methoden bedienen, die mehr oder weniger auch für eine Mannschaft Anwendung finden. 

 

1. Sichtweise auf Druck ändern

Als Trainer hast du die Möglichkeit, deiner Mannschaft Impulse mit zugeben. Diese Impulse können darauf abzielen, dass sich die Sichtweise der Spieler auf Druck verändert. Solche Impulse können per Ansprache oder Vier-Augen-Gespräch wirken. Es muss dir aber Bewusstsein, dass du ein Vorbild für deine Spieler bist. Deine Art und Weise mit Druck umzugehen, färbt auch auf deine Spieler ab. 

 

2. Die Situation bewusst machen

Das Bewusst-Machen der Situation verhält sich für einen Trainer gleich, wie die Sichtweise auf Druck zu ändern. Da das ein Prozess im Spieler ist, kannst du ihn nur durch Worte oder Vorbild anregen. 

 

3. Wettbewerb suchen

Um deine Spieler häufiger in Wettbewerbssituationen zu bringen, kannst du diese Wettbewerbsituationen einfach so oft wie möglich in dein Training einbauen. Wenn fast alle Aktionen unter Wettbewerbsdruck gemacht werden müssen, ist es kein großer Sprung mehr, wenn es um Punkte oder ums Weiterkommen geht. 

 

4. Selbstkritik und Selbstvertrauen

Auch das Selbstvertrauen und die Selbstkritik sind Abläufe im Spieler. Als Trainer kommen nur Impulse. In diesem Bereich sind die Impulse aber entscheidend. Ein Spieler merkt in der Regel ob du ihm vertraust oder nicht. Es fällt ihm einfacher sich selbst zu vertrauen bzw. dieses Vertrauen aufzubauen, wenn der Trainer ihm vertraut. Bei der Selbstkritik ist es wichtig, dass der Trainer konstruktives Feedback gibt. Daran kann sich der Spieler dann lang hangeln und sich selbst vernünftig kritisieren. Wenn nur auf ihm rumgehackt wird, ohne Alternativen und Verbesserungsvorschläge zu bringen, kann sich das auch negativ auf sein Selbstvertrauen auswirken. 

 

5. Rituale und Routinen 

Du, als Trainer, hast großen Einfluss auf die Abläufe vor dem Spiel. Um es den Spielern einfach zu machen, Routinen und Rituale zu finden und beizubehalten, musst du versuchen, die Abläufe vor dem Spiel immer gleich zu halten. Das bedeutet auch, dass die zeitlichen Abstände passen. Dass das nicht immer funktionieren kann, ist auch klar, aber die Bemühungen werden dir deine Spieler danken. 

 

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