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Was ist eine Ablösesumme im Transfer von Fußballprofis?

 
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Heute also das letzte offene Thema aus meiner Befragung auf Facebook. Ich hatte gefragt, welche Themen euch interessieren. Diese habe ich mit diesem Artikel alle erledigt. Das Thema heute also

Was ist eine Ablöse?

Eine Ablösezahlung oder Ablöse ist eine Zahlung von jemandem, der etwas mit Restwert besitzt, an jemanden, der diesen Restwert kauft. Das gilt für Mietverträge, Grundstücksrechte, Werbeverträge und vieles andere.

Fußballprofis haben in der Regel zeitlich befristete Arbeitsverträge. Damit sind die Profis an die Vereine für die Dauer des Vertrags gebunden. Möchte ein Profi jetzt von einem Verein zu einem anderen wechseln, gibt es die Möglichkeiten

  • Der Vertrag ist ausgelaufen und der Profi kann ablösefrei zum neuen Verein wechseln.
  • Der Vertrag hat noch eine Restlaufzeit. Damit hat der Verein das Recht, auf die Leistung durch den Profi zu bestehen. Verzichtet er darauf, lässt er sich das durch die Zahlung einer Ablösesumme

Es gibt also ablösefreie Transfers und Transfers mit teilweise extrem hohen Ablösesumme.

Warum werden manchmal zu Ende des Vertrages noch Ablösen gezahlt?

In einem Profi-Vertrag werden viele Sachen geregelt. Es geht ja nicht nur um die Arbeit als Spieler sondern auch um Sponsorenverträge und alle möglichen anderen Verträge. Diese Verträge haben teilweise andere Laufzeiten. Mitunter wurde auch zum Beispiel die Werbung für ein bestimmtes Produkt in einem Vertrag ausgeschlossen. Mit dem Wechsel zum neuen Verein muss aber dieses Produkt beworben werden. Also muss der Werbepartner sich sein Recht abkaufen lassen.

Wer bekommt die Ablösesumme? Bekommt der Profi die Ablösesumme?

Nein, der Profi ist an der Ablösesumme in der Regel nicht beteiligt, wenn alles sauber abläuft. Mitunter gibt es aber verdeckte Beraterkonstellationen, die eine Beteiligung des Profis an der Ablöse sicher stellen.

In der Regel fließt das Geld vom Verein, zu dem der Spieler wechselt, zu dem Verein, von dem der Spieler kommt. An den Transfers sind in der Regel Berater beteiligt. Diese werden von den Vereinen bezahlt. Mitunter sind in den Ablösen auch Entschädigungen für Werbepartner enthalten.

Hat die Ablösesumme etwas mit dem Gehalt des Profis zu tun?

Nein, die Ablösesumme hat in keiner Weise etwas mit dem Gehalt des Profis zu tun. Viel wichtiger für die Ablösesumme ist der Werbewert der Spieler, die Notwendigkeiten und Wünsche des Vereins, der den Spieler haben will und die Verträge, die der Spieler in der Vergangenheit gemacht hat.

Warum sind die Ablösesummen so hoch?

Die Frage drängt sich auf. Warum soll es einem Verein 222 Millionen € wert sein, das Neymar kommt. Das kann sich wirtschaftlich nicht rechnen. Tatsache ist, die Top-Profis verdienen und kosten immer mehr. Das ist in allen anderen Bereichen (zum Beispiel Musik) auch so.

Statistik: Teuerste Fußballtransfers weltweit (Stand: 8. Januar 2018; in Millionen Euro) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ich persönlich habe aber den Verdacht, dass die 222 Millionen € nie gezahlt wurden. Es ging hier wohl eher um eine Machtdemonstration der suppenreichen Clubs. Die wollten damit zeigen: Seht her, was wir hier machen können.

Tatsache ist, außer ein bisschen Prestige, einer saftigen Erhöhung der Trikotpreise und ein vielleicht etwas besserer Zugang zu Sponsoren bringt ein superteurer Einkauf nichts. Also kann man sich auch fragen, was ist der wirtschaftliche Grund? Darauf habe ich leider keine sinnvolle Antwort, außer dass vielleicht ein paar Scheichs zu viel Geld hatten. Das hätte man aber auch in sinnvollere Projekte (zum Beispiel Nachwuchsförderung) stecken können.




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Traumberuf Fußballprofi

 
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Nach welchem Konzept muss man einen Torspieler, Keeper bzw. Torwart ausbilden?

 
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Diese Frage stellt sich gerade sehr intensiv auch der DFB und das ist auch gut und richtig so. Es hängt viel von der Ausbildungsphilosophie ab. Bis vor kurzem waren die Nachwuchsleistungszentren (kurz NLZ) auf sich allein gestellt, was das Konzept und die Philosophie in der Torspielerausbildung angeht. Deshalb waren und sind manche Vereine auch erfolgreicher als andere bezogen auf erfolgreich Profikeeper.

Auch in den unteren Spielklassen stellt man sich die Frage nach einem guten Konzept für die Torspieler. Soll ich mehr auf die Athletik achten oder doch eher die Technik bevorzugen. Das sind alles Fragen, die man sich bei einer guten Philosophie stellen muss. Wo liegen die Schwerpunkte. Gibt es überhaupt Schwerpunkte oder trainiere ich von allem ein bisschen?

Als Beispiel für ein Konzept gibt es das Entscheidungstraining. Das ist aus meiner Perspektive aber nur ein Trend. Zuerst macht man stures Techniktraining und stellt später fest, das die Spieler sich nicht mehr richtig und effektiv entscheiden können und strukturiert dann das Trainingskonzept. Logisch, dass man so nie an den perfekten Keeper ran kommt und nie ran kommen kann. Wenn man den Fokus nur auf ein Teilgebiet des Fußballspiels legt, ist es klar, dass wo anders Schwächen auftreten müssen.

Mein Ansatz ist deshalb ein anderer.  Ich geh individueller an die Sache Torspielertraining ran.

Das Prinzip, dass ich am geeignetsten für eine umfassende Top-Ausbildung finde, ist die Engpass-konzentrierte-Strategie (kurz EKS).

Die EKS ist ein Konzept das man nur individuell und auf jeden Torspieler einzeln anwenden kann. Für eine erfolgreiche Ausbildung ist die EKS die beste, da man bei jedem Keeper individuell auf die Schwächen eingeht, diese behandelt, bis sie keine Schwäche mehr ist und sich dann den nächsten Schwerpunkt setzt. Die Trainingsschwerpunkte sind also dynamisch und hängen stark vom einzelnen Keeper ab. Man erkennt Engpässe, die einen daran hindern optimal zu spielen und trainiert diese, bis das Thema keine Schwäche mehr ist. Das ganze muss natürlich altersgerecht sein und einem Leitfaden folgen aber dazu komme ich noch.

Ein vereinfachtes Beispiel für eine Anwendung der EKS wäre ein Torspieler, der torwarttechnisch sehr gut ist, aber mit dem Ball nicht so gut umgehen kann. Der Trainer erkennt diesen Engpass in dem Spiel seines Torwarts und probiert diesen zu beheben. Nach zwei Wochen intensivem Training der Fußballtechnik folgt eine weitere Schwächen-Analyse, die sagt, dass die Athletik während der Themenwochen in den Hintergrund geraten ist. Dann muss ein Themenwechsel zur Athletik folgen.

So verbessert sich der Keeper kontinuierlich und auf einem breiten Fähigkeitsspektrum.

Allerdings muss man noch eine Schwäche oder einen Engpass definieren. Ich sehe eine Schwäche als eine Einschränkung für den Torspieler seinen eigenen Stil zu spielen. Wenn ein Keeper alles über technische Feinheiten löst, ist Athletik also nicht unbedingt eine Schwäche. Das ist ein wichtiges Detail, da von den Trainern oft nach dem gesamten Fähigkeitsspektrum bewertet wird, ob ein Keeper gut ist oder nicht. Das ist aber wieder zu einseitig, weil jemadnen, der alles perfekt kann, gibt es nicht. Sicher ist es wichtig für ein NLZ einen Gesamtüberblick von einem Torspieler zu haben, der eventuell ein Kandidat für einen Wechsel wäre, aber man muss diese Bewertung unter der Schablone des Individuums und des praktischen Nutzens für den Verein legen.

Wenn ein Keeper technisch sowohl mit dem Fuß, als auch mit der Hand stark ist, sollte man nicht sagen: Der hat keine Athletik, denn nehmen wir nicht. Man muss sehen: Aha der nutzt seine Stärken so gut in seiner Spielweise, das die fehlende Athletik gar nicht auffällt.

Man darf mich jetzt nicht falsch verstehen. Natürlich ist es für den technisch starken Keeper ein Vorteil wenn er auch athletisch gut ist, aber es ist bis zu einem gewissen Niveau noch kein Nachteil und damit kein Engpass.

Damit kommen wir auch schon zum nächsten wichtigen Thema. Das dynamische Anforderungsprofil durch die Entwicklung der Feldspieler mit dem Alter und der Spielklasse kann man nur durch eine dynamische Ausbildungsphilosophie ausgleichen.

Wenn Kinder in eine höher Spielklasse wechseln, in der sie ihr Spiel anpassen müssen, müssen sie auch entsprechend ihrem Anforderungsprofil trainieren.

Im Fußball gibt es für den Torspieler verschiedene Fähigkeitsbereiche, die er abdecken muss um gut zu sein:

  • Torverteidigung
  • Raumverteidigung
  • Spieleröffnung
  • Taktik (Antizipation)
  • Entscheidungseffizienz (Schnelligkeit und Qualität)
  • Führung
  • Athletik
  • Psychische Fähigkeiten (Konzentrationsfähigkeit, Verhalten nach Fehlern)
  • kognitive Fähigkeiten (wie schnell erfasse ich was passiert, Lernfähigkeit)

Man sieht also, dass das Fähigkeitsspektrum im Tor relativ weit gefächert ist. Ich will mir auch nicht anmaßen, alle Dinge genannt und abschließend behandelt zu haben. Ich denke aber, das gesagte reicht, um zu erkennen, dass die Fähigkeitsbereiche nicht mit einem statischen Trainingskonzept abgedeckt werden können.

Beispiel Entscheidungstraining. Aus meiner Perspektive ist das nur ein spannender Trend einer Philosophie, die voran gegangen ist und diesen Bereich nicht abdeckte. Was folgt ist eine logischerweise erhöhte Fehlerquote in diesem Bereich. Die Antwort darauf kann aber nicht sein, dass man jetzt sagt: Darauf muss der Schwerpunkt liegen. In zwei drei Jahren würde sich der Schwerpunkt wieder verschieben, weil die Keeper dann die meisten Fehler zum Beispiel in der Raumverteidigung oder Technik machen.

Man sieht das sich die statische Ausbildungsphilosophie in einem Kreislauf befindet, in dem sie nur in Ausnahmefällen einen perfekten Torspieler hervorbringen kann. Die EKS dagegen ist eine dynamische Ausbildung und könnte mit ziemlicher Sicherheit den einen oder anderen nächsten Welttorhüter hervorbringen.




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Schnelligkeitstraining

 
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Ein Weg zum Fußball-Profi

 
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Bei Felix Passlack und Christian Pulisic hat der Sprung zum Fußball-Profi geklappt. Die beiden wurden von BVB-Trainer Thomas Tuchel in den Profi-Kader berufen. Die BVB Ideenfabrik beleuchten (vielleicht doch etwas zu positiv) mit U19 Trainer Hannes Wolf und Cheftrainer Thomas Tuchel den Weg der beiden aus der Dortmunder Jugend bis in den Profikader.




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Asymmetrische Übungen

 
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Auf dem Mercedes-Benz Junior Cup in Sindelfingen habe ich mir angesehen, wie sich die Torspieler auf das Spiel vorbereiten. Dabei ist mir bei den Torspielern, die sich ohne Torspielertrainer aufgewärmt haben, aufgefallen, dass diese gar nicht auf die Grundsymmetrie achten. Am extremsten waren dabei die beiden Torspieler des 1. FC Kölns, die nur die starke Seite aufgewärmt und konditioniert haben. Die anwesenden Torwarttrainer haben bei ihren Schützlingen ganz offensichtlich auf beidseitiges Aufwärmen geachtet. Dort wurde symmetrisch gearbeitet.

Grundsätzlich gibt es symmetrische und unsymmetrische Übungen. Beispiele für asymmetrische Übungen sind:

  • Sitesteps
  • Siteseps überkreuzt
  • Einen Arm kreisen
  • Technik mit nur einem Bein oder Arm (Abschlag, Abstoß, Abwurf, …)
  • Technik auf nur eine Seite

Was sind eigentlich asymmetrische Übungen?

Mit asymmertrischen oder unsymmetrischen Übungen meint man Übungen die sich auf eine Seite konzentriert. Der Körper ist muskeltechnisch spiegelverkehrt aufgebaut. Wenn man nur die eine Seite trainiert führt das zu einem Defizit in der anderen Seite.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung der Verletzungsgefahr wäre eine Verletzung in der Oberschenkelrückseite. Eine typische Fußballerverletzung. Es gibt einen aktiven Muskel, den Agonist und einen gegenspielenden Muskel, den Antagonist bei jeder Bewegung. Bei einem Schuss zum Beispiel ist der aktive Muskel der Quadrizeps an der Vorderseite. Der Gegenspieler ist der Antagonist auf der Rückseite. Beim Schuss kontrahiert der Quadrizeps und verursacht so ein vorschnellen des Beines. Wenn die Bewegung ausgeführt wurde muss der Körper den Impulses des Beines irgendwie bremsen. Das macht er in dem der Gegenspieler angespannt wird. In dem Fall die Rückseite.

Wenn jetzt die Vorderseite so stark ausgeprägt ist, dass die Rückseite den Impuls nicht mehr stoppen kann tritt ein häufiges Verletzungsproblem in Folge von Asymmetrie auf.

Das Gleiche passiert auch bei koordinativen Übungen. Wenn die linke Gehirnhälfte besser ausgebildet und vernetzt ist als die andere wird das ein Problem. Der gesamte Körper wirkt unkontrolliert schlaksig und unkoordiniert. Der Athlet kann auf der einen Seite koordinativ auf dem höchsten Level sein, wird aber nie so gesehen. Das hat natürlich noch andere Nachteile. In einer Spielsportart wie Fußball kommt der Ball halt mal auf die schwache Seite. Dann hat man verloren.

Für jeden Athleten ist die symmetrische Entwicklung der Muskulatur wichtig. Asymetrische Muskulaturen führen zu Verspannungen, reduzieren langfristig das Leistungsvermögen und provozieren Verletzungen. Viele Rückensmerzen im Alter gehen auf Asymmetrien in der Muskulatur und wahrscheinlich auch in der Gehirnvernetzung zurück.

Auf der anderen Seite verbessert sich die Koordinationsfähigkeit und Gleichgewichtsempfinden, wenn man viele asymmetrische Übungen in sein Trainingsplan mit einbaut. Kurz gesagt: asymmetrische Übungen muss man richtig betreiben, um daraus einen Nutzen ziehen zu können.

Als Grundregel kann gelten:

Jede asymmetrische Übung ist gleich oft auf jeder Seite durchzuführen.

Dabei hat der Athlet ein Problem. Direkt vor dem Wettkampf wird er auf seiner starken Seite das “muskuläre Gedächnis” aktivieren wollen. Damit wird diese Seite wieder übertrainiert. Ich empfehle dafür ein Kompensationstraining, bei dem die schwache Seite verstärkt trainiert wird. Man kann auch auf eine verstärkte Aktivität auf der schwachen Seite während des frühen Aufwärmens achten.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass es auch Aufgabe des Trainers ist, darauf zu achten, dass seine Schützlinge beidseitig trainieren. Das muss den Kindern und Jugendlichen erklärt werden. Da die Torspieler oft auf sich selbst gestellt sind, müssen diese mehr Eigenverantwortung übernehmen. Das geht aber nur, wenn ihnen die Zusammenhänge vom Trainer erklärt werden.




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Torspieler- / Torwart-Übungen für Fortgeschrittene: Torraumverteidigung

 
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Sebastian Mundruc, Björn Röhrer und TorspielerTheo haben zusammen bei Eintracht Braunschweig Übungen für Fortgeschrittene aufgezeichnet. Uns hat die gemeinsame Arbeit riesen Spaß gemacht und ich denke, das war nicht das letzte Video, das wir zusammen gemacht haben.

Fortgeschritten ist hier auch wirklich so gemeint. Diese Übungen eignen sich nicht, um die Grundtechniken zu erlernen. Das Erlernen einiger der genutzten Techniken habe ich schon im Video gezeigt. Dies sind

Wie diese Videos zu verstehen sind, erkläre ich im Beitrag Die Torspieler- bzw. Torwarttechniken mit meinen Videos lernen.

Was noch fehlt, ist ein Didaktik-Video zum Flanken abfangen. Mal sehen, mit wem ich das zusammen mache.

Hier das Video mit Übungen zur Torraumverteidigung.




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Eigentore

 
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Videoanalyse bei der U17 des BVB

 
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Von der Livebeobachtung über die Videoanalyse und der Grundordnung zum passenden System. Wie das ganze in der Praxis bei Borussia Dortmund aussieht seht ihr in diesem Video.




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Fragen an TorspielerTheo

 
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Heute einmal etwas Neues in der Kategorie “Fragen an TorspielerTheo”. Ich habe Fragen, die ihr mir gestellt habt, an die drei anwesenden Torwarttrainer auf dem Mercedes-Benz Junior Cup 2018 weitergegeben.

Die Fragen waren

  • Welche Trainingsempfehlungen würdest du jemandem geben, der in der Kreisliga spielt und keinen eigenen Torspielertrainer hat?
  • Was würdest du jemandem raten, der nicht in einem NLZ (Nachwuchsleistungszentrum) ist?

Die dritte Frage kennt ihr. Das ist meine Lieblingsfrage, die ich jedem stelle, der sich mit der Position im Tor auskennt.

  • Wie sieht dein Torspieler der Zukunft aus?

Die Antworten lest Ihr unten. Allen dreien sage ich  in eurem Namen herzlichen Dank für ihre Unterstützung.

Beim Turnier anwesend waren

  • Andre Wachter (VfB Stuttgart)
Bild Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwartrainer der U19 des VfB Stuttgart und TorspielerTheo beim Mercedes-Benz Junior Cup 2018
Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwartrainer der U19 des VfB Stuttgart und TorspielerTheo beim Mercedes-Benz Junior Cup 2018
  • Dominik Weber
Bild Dominik Weber, Torwartrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim und TorspielerTheo
Dominik Weber, Torwartrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim und TorspielerTheo beim Mercedes-Benz Junior Cup 2018
  • Ilja Hofstaat (Hertha BSC)
Bild Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BFC und TorspielerTheo
Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BFC und TorspielerTheo

Frage 1: Welche Trainingsempfehlungen würdest du jemandem geben, der in der Kreisliga spielt und keinen eigenen Torspielertrainer hat?

Bild Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwarttrainer der U19 des VfB Stuttgart
Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwarttrainer der U19 des VfB Stuttgart

Andre Wachter: Das ist eine sehr gute Frage. Ich muss ganz ehrlich sagen, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Bei unseren VfB-Jungs bin ich als Trainer ja immer mit dabei.

Als Torwart ohne Torwarttrainer würde ich auf jeden Fall zuerst einmal schauen, dass vom Cheftrainer Torschussübungen auf den Torhüter umgesetzt werden, die auch sinnvoll sind. Bei Querpässen 5 Meter vor dem Tor mit Abschluss oder die klassische Serie, einer spielt an, ein anderer legt ab und einer haut von 16 Metern in den Winkel, bringen dem Torwart nichts. Dabei kann er nichts lernen.

Bild Dominik Weber, Torwarttrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim
Dominik Weber, Torwarttrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim

Dominik Weber: Eine Säule des Torwartspiels ist die Spieleröffnung. Man kann sich ohne Torwarttrainer selbstständig beidfüßig isoliert verbessern. Spieleröffnungen als Pass mit Annahme (direkt, zwei Kontakte) gegen eine Wand. Ferner kann man Abwürfe, Flugbälle und Abschläge ins Tornetz, in den Fangzaun oder in Zonen spielen. Um diese Bausteine dann spielnah umzusetzen, kann der Mannschaftstrainer den Torhüter in Passformen oder Spielformen integrieren. Somit ist auch der Mannschaftstrainer ein Torwarttrainer.

Eine weitere Grundlage des Torwartspiels ist die Athletik des Torhüters. Eine Grundfitness kann man sich selbst durch Läufe erarbeiten. Mit einer zusätzlichen Einheit im Fitnessstudio kann man seine Dynamik und Schnelligkeit verbessern.

Im torwarttaktischen Bereich kann man sich auch selbständig weiterentwickeln. Dafür würde ich mir Torhüter auf Top- Niveau anschauen. Wo steht ein Oliver Baumann bei einer Flanke? In welcher Stellung steht er da? Wo steht er bei einem Torschuss? Wo bietet er sich bei einem Rückpass an? Wie organisiert er sein Team?

Im technischen Bereich kann man sich dabei auch vieles abschauen. Wie verhält er sich im  „Eins- gegen Eins“? Wie sieht der technische Ablauf aus? Wie fängt er einen Ball der zentral oder seitlich kommt?

Bild Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BSC
Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BSC

Ilja Hofstädt: Das kommt sicher darauf an, was derjenige will. Aber ganz ehrlich, ohne Torwarttrainer von der Kreisliga in eine wesentlich höhere Liga zu kommen, halte ich für unrealistisch. „Eigencoaching“ hat ganz klare Grenzen. Das gilt natürlich auch für die eigene Videoanalyse.

Als Torwarttrainer bist du dafür ausgebildet und hast die Erfahrung und um Bewegungsabläufe zu lehren, zu analysieren und die zu steuern. Gerade in den jungen Jahren ist es relativ schwierig, Defizite zu erkennen und zielgerichtet vorhandenes Potenzial zu heben.

Sicher gibt es Möglichkeiten über Video oder Facebook, wo viel angeboten wird. Gutes aber eben auch schlechtes. Ausschließlich damit kann man sich definitiv weiter entwickeln. In jedem Fall empfehle ich einem Kreisliga-Torwart sich einen Partner aus der Mannschaft (sei es ein Mitspieler oder auch der Co-Trainer) zu suchen, der die autodidaktisch erlernten torwartspezifischen Übungen auf Anweisung mit ihm in der Praxis umsetzt. An der „Beckenbauerwand“ alleine geht das nicht. Tatsache bleibt: Höhere Spielklassen ohne Torwarttrainer und regelmäßiges Torwarttraining geht nicht.

Frage 2: Was würdest du jemandem raten, der nicht in einem NLZ (Nachwuchsleistungszentrum) ist?

Bild Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwarttrainer der U19 des VfB Stuttgart
Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwarttrainer der U19 des VfB Stuttgart

Andre Wachter: Erst einmal geduldig bleiben. Die Möglichkeit für eine Fußballlaufbahn besteht ja weiter. Grundsätzlich ist es ja auch eine Frage, auf welchem Niveau sich der junge Torspieler befindet. Die Kinder und Jugendlichen entwickeln sich ja erst. Es ist ja nicht so, dass es grundsätzlich nicht ausgeschlossen ist, dass einer mit 14 oder 15 noch nicht im NLZ ist, nicht irgend wann noch den Sprung nach oben schaffen kann. Vielleicht klappt es zur U17 oder U19 ins NLZ. Also erst mal geduldig bleiben und weiter arbeiten.

Bild Dominik Weber, Torwarttrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim
Dominik Weber, Torwarttrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim

Dominik Weber: Wer noch nicht in einem NLZ trainieren darf, muss einfach kontinuierlich weiterarbeiten. Weiterhin seine Stärken einbringen und seine Schwächen minimieren. Natürlich braucht man dazu auch eine Portion Glück um gesichtet zu werden. Um positiv aufzufallen schauen die Scouts auf verschiedene Punkte. Hält der Torhüter viele Bälle? Wie ist er fußballerisch? Wie ist seine Ausstrahlung? Wie verhält er sich gegenüber seinen Mannschaftskammeraden?

Bild Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BSC
Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BSC

Ilja Hofstädt: Ich würde auf jeden Fall versuchen zu einem Verein zu gehen, der einen Torwarttrainer hat. Der Torwarttrainer muss sich mit dir als Torhüter kontinuierlich beschäftigen. Der muss deine Qualitäten erkennen, deine Stärken und deine Schwächen. Meine klare Empfehlung, gehe dahin, wo der Torwart gezielt gefördert wird. Gehe in einen Verein in dem mindestens einmal, besser zwei oder dreimal in der Woche Torwarttraining angeboten wird.

Frage 3: Wie sieht dein Torspieler der Zukunft aus?

Bild Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwarttrainer der U19 des VfB Stuttgart
Andre Wachter, Torwartkoordinator und Torwarttrainer der U19 des VfB Stuttgart

Andre Wachter: Ich glaube die Position des Torhüters hat sich in der letzten Jahren schon extrem entwickelt. Ich denke, dies Entwicklung wird so anhalten. Ein Torspieler der Zukunft muss stark am Fuß sein, was in den letzten Jahren immer stärker aufgekommen ist. Jetzt zu erkennen ist auch schon, dass der Torhüter immer mehr den Raum verteidigt. Das klassische Flankenabfangen ist allen bekannt. Was aber zunehmend wichtiger wird sind Querpässe in den Strafraum oder Bälle vom 16er Eck. Aber auch in Zukunft wird das Tor verteidigen zu den wichtigsten Aufgaben des Torhüters dazu gehören. Die Spieleröffnung ist inzwischen schon auf einem sehr hohen Niveau. Ich denke, dass sich in den nächsten Jahren bei der Raumverteidigung noch viel entwickeln wird.

Bild Dominik Weber, Torwarttrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim
Dominik Weber, Torwarttrainer der U19 der TSG 1899 Hoffenheim

Dominik Weber: Der Torspieler der Zukunft ist in den Torwarttechniken sehr sauber und fußballerisch beidbeinig sehr gut ausgebildet. Ferner hat er das Spiel verstanden und kann sich taktisch optimal anpassen. Er ist ein athletischer und dynamischer Typ, dem ich den Willen „Bälle zu halten“ in den Augen sehen kann.

Bild Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BSC
Ilja Hofstädt, Torwartkoordinator der Hertha BSC

Ilja Hofstädt: Der Torspieler der Zukunft hält alle Bälle und ist ein guter Fußballer. Das Spiel wird immer schneller. Ich glaube, dass du im kognitiven Bereich extrem fit sein musst. Du musst optimal Spielabläufe voraussehen.

Der heutige Torwart muss neben dem „reagieren“ immer mehr  ein proaktiver, best möglich antizipierender und agierenden Mitspieler sein.  Und dieser Prozess steht in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden Schnelligkeit im Spiel.  Im athletischen Bereich sind eigentlich alle Top-Torspieler auf einem extrem hohen Niveau.

Es geht also darum, wer kann Situationen besser wahrnehmen, wer kann Situationen schneller entscheiden, wer kann besser Raum verteidigen, wer kann bessere Spieleröffnungen. Ich denke, dass der Torspieler der Zukunft extrem schnell im Erkennen von Situationen und extrem schnell im Entscheiden sein muss.

 




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